In diesem Beitrag geht es, wie dem Titel vermutlich zu entnehmen ist, um soziologisches Management. Das soziologische Management bzw. die soziologische Management-Lehre befasst sich mit dem Umgang der

Komplexität einer globalisierten Welt und sich verändernden Paradigmen. Wer während der Lektüre Erklärungsbedarf hat, dem sei folgender Link zu Wikipedia gegeben. Darüber hinaus kann auch das Kontaktformular genutzt werden.

Als theoretische Grundlage dient nebenstehendes Buch von Dirk Baecker.

 

Theorie des soziologischen Managements

Grundvoraussetzungen

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Kommunikation und die rekursive Beobachtung der Kommunikation die Grundvoraussetzungen für soziologisches Management sind. Rekursive Beobachtung bedeutet in diesem Zusammenhang die Beobachtung 2. Grades. Eine Mitteilung muss damit auch im Kontekt zu anderen Mitteilungen beobachtet und interpretiert werden.

Die zweite Grundvoraussetzung nach der Kommunikation ist das Verständnis der Unternehmung als soziales System. Die Unternehmung wird als soziales System wahrgenommen, wenn Differenzen zwischen dem Organisationssystem und der Umwelt, zwischen Organisation und psychischen Systemen der Mitarbeiter und zwischen der Organisation und der Gesellschaft erkannt werden. Die Folge davon ist, dass die Unternehmung als Teil des Systems angesehen wird und nicht als einsame Insel, die keine Wechselwirkungen durch Handlungen bewirkt.

4 Basisunterscheidungen

Es gibt vier Basisunterscheidungen, welche eine rationale Organisation von einer intelligenten Organisation unterscheiden. Je nachdem wie die Faktoren wahrgenommen werden, kann eine Organisation entweder mehr als rationale Organisation oder eben eher als intelligente Organisation angesehen werden.

System und Umwelt

Das Management einer Organisation hat die Beobachtung der Organisationsgrenzen zur Aufgabe. Die Grenzen sind diffus und müssen von Ereignis zu Ereignis neu gezogen werden. Die Schaffung der Grenzen dieses Systems, sowie die Verantwortung dafür liegen beim System selbst. Auch hier ein Link zu Wikipedia um den Begriff der Autopoiesis, also der Selbsterschaffung bzw. Selbsterhaltung des Systems weiter zu erklären.

Form und Medium

Jede Entscheidung des Management eröffnet neue Möglichkeiten. Mit jeder neuen Möglichkeit entsteht ein neues Medium, auf das Managementenscheidungen zurückgreifen können. Es gibt also eine Art Rückkopplungseffekt bei Entscheidungen und Entscheidungen die daraufhin getroffen werden. Hinsichtlich Formen gilt es zu beachten, dass dies festgelegte und bereits bekannte Möglichkeiten einer Managemententscheidung. Der Drang neue Formen und Managemententscheidungen zu finden unterstützt wiederum das Innovationspotential einer Organisation.

Operation und Beobachtung

Managementenscheidungen wirken auf zwei unterschiedlichen Wegen, zum einen finden diese durch die Durchführung in Form einer Operation statt, währenddessen wird diese jedoch auch beobachtet. Es gibt in diesem Zusammenhang also eine Handlungsanweisung und eine Reaktion. Durch einen Beobachter kommen weitere Reaktionen hinzu, die zusätzlich zur auszuführenden Person betroffen wird. Interessant wird dies, wenn man die Beobachtung 2. Ordnung in dieses Konstrukt einbaut. Der Beobachtet beobachtet sich damit beim Beobachten. Der Beobachter vollzieht damit einen Schritt um eine ganzheitliche Situation zu Betrachten.

Variation, Selektion und Retention

Es gibt drei wesentliche evolutionäre Mechanismen die vom Management angewandt werden können:

Variation: Das Management will Variationen in die Organisation einführen. Dies kann durch neue Produkte, neue Märkte oder in Form von Übernahmen geschehen.

Selektion: Unter Selektion werden seitens des Managements zufällig auftretende Variationen in der Organisation geprüft und Positive aus von den Negativen selektiert. Es erfolgt also ein Auswahlprozess. An dieser Stelle sei auch auf die Evolutionstheorie von Darwin verwiesen. Wie immer auf Wikipedia.

Retention: Unter Retention ist zu verstehen, dass das Management verantwortliche für die Stabilisierung  einer selegierten Variation, sowie die Anpassung in die bestehende Struktur, sein möchte.

5 Eckwerte für soziologisches Management

Nachfolgend werden 5 Eckwerte dargestellt. In diesem Informationsfeld bewegt sich jedes Management.

Local action: Als Local action wird die einzige Handlungsform bezeichnet, welche den komplexen Situtionen im soziologischen Management gerecht wird. Jede Situation kann nur lokal und damit nur individuell erkundet werden. Wichtig ist, dass es nicht immer gleich einer Lösung einer Situation bedarf. Hauptziel ist es zwischen Beteiligten Gleichgewichte zu schaffen. Dies heißt ebenfalls nicht diese anzugleichen , sondern eher Unsicherheit zu schaffen, indem Abweichungen der Personen stärker wahrgenommen werden. Wird eine Situation dementsprechend beobachtet, geht es um die Situationswahrnehmung und die Wahrnehmung der Personen. Eine Situation sollte zudem auch immer als Beobachtung 2. Ordnung angesehen werden, man sollte damit nicht direkt dem ersten Eindruck verfallen, sondern nochmals reflektieren.

Complex Systems: Im soziologischen Management handelt es sich um komplexe Systeme. Diese sind durch Kontingenz der Ereignisse und Selbstorganisation gekennzeichnet. Zudem sollte der Hinweis gemacht werden, dass komplexe Systeme bzw. Sub-Systeme immer eine Eigendynamik entwickeln. Systeme interagieren mit ihrer Umwelt und passen sich laufend an. Aufgabe des Management ist es einen Weg zu finden, diese Systeme dennoch steuerbar zu halten. Dafür müssen diese Systeme beobachtet und beschrieben werden.

Intelligent Networks: Systeme sind in Netzwerken aufgebaut, das heißt, dass sowohl mehrere Systeme und Sub-Systeme miteinander verbunden sind und interagieren. Zu diesem Konstrukt interagieren diese Systeme gleichzeitig auch noch mit ihrer Umwelt außerhalb dieses Netzwerks. Aufgabe des soziologischen Managements muss es sein, die größere Masse an Intelligenz in diesen Netzwerken nutzbar zu machen. Es gilt ein Wissensmanagement aufzubauen und den Weg hin zu einer Informationsgesellschaft zu machen. Wichtig ist jedoch der Hinweis, dass die Teilnahme an diesen Netzwerken ein hohes Maß an Intelligenz der Teilnehmer erfordert, um eigenes Nichtwissen durch das Wissen anderer zu kompensieren. Und dafür bedarf es der Reflektion der eigenen Stärken und Schwächen, sowie einem Verständnis des jeweiligen Systems bzw. Netzwerkes.

Organisational Strategy: Als Konsequenz aus Local Action, complex Systems und Intelligent Networks, dürfen Entscheidungen nur noch rekursiv getroffen werden. Rekursiv bedeutet, dass die getroffene Entscheidungen immer einem Änderungsvorbehalt unterliegen. Dies erfordert an die Organisation eine laufende Anpassung und ständige Neu-Positionierung.

Business Ideas: Als letzter Eckwert des soziologischen Managements geht es um die Geschäftsideen. Das Management im soziologischen Management Ansatz muss verstehen, dass jederzeit neue Geschäftsideen auftauchen und es kann sein, dass strategisch neue Geschäftsideen entwickelt werden müssen. Aufgabe des Managements ist es daher auch entsprechende Freiräume zu schaffen, sodass Geschäftsideen entwickelt werden können, welche nur geringe Überschneidungen bzw. keine Überschneidungen mit der aktuellen Tätigkeit besitzen. Grundgedanke ist auch hier wieder, die Organisation in Bewegung zu halten, sodass das System auf die Umwelt noch besser reagieren kann.

 

Praktische Beispiele für Unternehmen, welche den Ansatz des Soziologischen Managements verfolgen sind: